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Mobbing in Deutschland

Mobbing in der Belegschaft tatenlos zuzusehen, kann sich kein Unternehmen leisten. Fehlzeiten, Fluktuation und Minderleistung verursachen hohe Kosten. Ganz zu schweigen von der Verantwortung den betroffenen Beschäftigten gegenüber. Diese leiden oftmals erheblich: die dauerhafte psychische Überforderung führt zu arbeitsbedingtem Stress mit den bekannten langfristigen Auswirkungen wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Depressionen, Verlust der Selbstachtung und Angstzustände.

Mobbing ist kein Phänomen betrieblicher Einzelfälle. Laut dem Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) werden hierzulande rund 1,5 Millionen Beschäftigte Tag für Tag an ihrem Arbeitsplatz gemobbt. Jeder neunte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal Opfer von dauerhaften Benachteiligungen, Schikanen und Ausgrenzung. Der Mobbing-Report wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes der BAuA erstellt. Die Studie lieferte erstmals empirisch gesicherte, repräsentative Daten über die Situation in der Bundesrepublik. Die Repräsentativerhebung wurde vom Forschungsinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund und der Infratest Burke Sozialforschung GmbH durchgeführt.

  • 2,7 Prozent der Befragten gaben an, aktuell, d.h. konkret im Befragungszeitpunkt, von Mobbing betroffen zu sein. Damit liegt Deutschland im Mittelfeld in Europa. 5,5 Prozent der Befragten gaben an, im Verlauf eines Jahres mindestens einmal betroffen gewesen zu sein. 11,3 Prozent der Befragten bestätigen, während ihres Arbeitslebens schon einmal "gemobbt" worden zu sein.
  • Eine Auswertung der Daten in Bezug auf unterschiedliche Merkmale wie Geschlecht, Alter oder betriebsbezogene Kriterien ergab, dass grundsätzlich jeder zum Mobbingopfer werden kann. Dabei ist das Risiko jedoch nicht für alle gleich. Es gibt Beschäftigtengruppen, die ein höheres Risiko tragen, gemobbt zu werden. Frauen haben im Vergleich zu Männern ein um fünfundsiebzig Prozent höheres Mobbingrisiko. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der unter 25-Jährigen mit 3,7 Prozent, gefolgt von den 55-Jährigen und älteren Mitarbeitern mit 2,9 Prozent.

Mobbing hat für die Opfer oft weitreichende Konsequenzen, die sich auf die Gesundheit, die berufliche oder private Situation auswirken können. Für 98,7 Prozent der Betroffenen übte Mobbing auf das Arbeitsverhalten einen negativen Einfluss aus, was sich in Demotivation, Misstrauen, Nervosität, Verunsicherung und sozialem Rückzug äußerte. Krankheitsausfälle, Arbeitsplatzwechsel im Betrieb, Kündigung sowie Erwerbsunfähigkeit können die Folgen sein.

Die Studie zeigte auf, dass Mängel in der Arbeits- und Betriebsorganisation sich als Mobbing begünstigende Faktoren erweisen und dass das Verhalten der Führungskräfte eine wesentliche Rolle spielt, als Ursache ebenso wie als wichtiger Präventionsansatz.

Offensiver Umgang

Nach Meinung der Forscher ist ein offensiver Umgang mit dem Phänomen "Mobbing am Arbeitsplatz" sowohl betrieblich als auch gesellschaftlich längst angezeigt.

  • Die betrieblichen Rahmenbedingungen sollten so gestaltet sein, dass mobbingbegünstigende Faktoren minimiert werden. Dazu gehören das Schaffen klarer arbeitsorganisatorischer Strukturen, das Festlegen von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, offensive Information sowie das beteiligungsorientierte Gestalten von Planungs- und Entscheidungsprozessen.
  • Defizite im Führungsverhalten von Vorgesetzten können durch Schulungen zur Mitarbeiterführung, Kommunikation und Kooperation sowie Konfliktmanagement abgebaut werden.
  • Die betrieblichen Akteure müssen für das Thema sensibilisiert und im Umgang mit Mobbing geschult werden.

In mehr als 50 Prozent der Fälle ging Mobbing von Führungskräften aus bzw. findet unter ihrer Mitwirkung statt. Der durchschnittliche Täter ist laut Mobbing-Report ein Mitglied der Stammbelegschaft mit Personalverantwortung, männlich und zwischen 35 und 54 Jahre alt. Er erhält mit zunehmender Dauer des Mobbingprozesses häufig Beihilfe von Kollegen, die dem Opfer ebenfalls zusetzen. Ein einmal in Gang gesetzter Mobbing-Prozess endet in mehr als der Hälfte der Fälle erst durch Kündigung bzw. Auflösung des Arbeitsvertrages.

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